Höchstädter Klauenpflege

Klauenerkrankungen

Krankheiten des Klauenhorns 

Ballenhornfäule
Mortellaro (DD, Dermatitis digitalis, Erbeerkrankheit)
Klauenhornfäule (DID, Klauenfäule, Dermatitis interdigitalis)
Panaritium (Zwischenzehenphlegmone)
Zwischenklauenwulst (Limax, Tylom)
Rusterholz`sches Sohlengeschwür (RSG)
Sohlenspitzengeschwür (SSG)
Klauensohlengeschwür in atypischer Lokalisation (KSG)
Weisse Linie Defekt (WLD)
Wandläsion (WD)
Klauenrehe - die Zivilisationserkrankung der Milchkuh

 

Ballenhornfäule

Die Ballenhornfäule ist die häufigste Klauenerkrankung und ein Indikator für Feuchtigkeit oder zu konzentratreiche Fütterung durch Veränderung der Bakterienflora auf dem Stallboden. Gülle führt, meist an den Hinterextremitäten, zur chemischen Zersetzung des weichen Ballenhorns. Durch sekundäre Besiedlung mit proteolytischen Bakterien kann es zu einem Fortschreiten der Mazeration bis zum Befall der Lederhaut kommen. Durch die fehlende Unterstützung des Ballenpolsters kommt es in hochgradigen Fällen zu mangelnder Stabilität der Klauen. Dies führt zu Veränderung der Gewichtsverlagerung und Erschütterungen, welche Rehe oder Sohlengeschwüre nach sich ziehen können. Entscheidend sind hohe Trachten und regelmäßige sachgerechte funktionelle Klauenpflege. Nur wenn die Kuh die Möglichkeit hat zwischen 12 und 14 Stunden täglich trocken zu liegen, kann die Klaue abtrocknen. Die Liegezeit bestimmt der Landwirt mit der Qualität und Pflege der Liegeflächen. Eine saubere Lauffläche sollte Grundvoraussetzung sein, zumindest in der Theorie.

Mortellaro (DD, Dermatitis digitalis, Erdbeerkrankheit)

Die Dermatitis digitalis wurde erstmals 1974 in Italien von Cheli und Mortellaro beschrieben. Mittlerweile hat sich diese multifunktionelle Erkrankung mit infektiöser Komponente weltweit ausgebreitet und stellt heutzutage eines der größten Bestandsprobleme in vielen Herden da. Bei der DD handelt es sich um eine feuchte, runde, anfänglich gut abgegrenzte Entzündung mit teilweisem Verlust der Haut, die meist am Ballen, aber auch im Zwischenklauenspalt, am Kronsaum und auf der Haut unmittelbar unter den Afterklauen auftritt. Vorgeschädigte Haut durch Feuchtigkeit, Gülle oder Mikroläsionen ermöglicht das Eindringen von Bakterien (Spirochäten). Herden werden durch zugekaufte Tiere infiziert. Bei Neuinfektionen sind Kühe aller Altersgruppen betroffen. In bereits befallenen Herden erkranken Erstlingskühe und junge Milchkühe. Als wirksamste Therapie gilt nach wie vor die Einzeltierbehandlung mit OTC oder CTC Spray (Wartezeit beachten!!! Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt) bzw. der Einsatz von Bioziden (ohne Wartezeit). Klauenbäder werden nach wie vor sehr kritisch gesehen! Dermatitis digitalis lässt sich durch sachgerechte Klauenpflege mit Erhöhung des Ballenbereiches eindämmen.Wichtiger Bestandteil jeder Therapie muss die Erkennung und Beseitigung vorhandener Mängel betreffend Aufstallung, Besatzdichte, Stallhygiene und Fütterung sein. Wichtig ist die genaue Kontrolle der Klauen bei Zukauf von Rindern und nach Möglichkeit eine sechs- bis achtwöchige Quarantäne, um die Einschleppung zu verhindern.

Klauenhornfäule (DID, Klauenfäule, Dermatitis interdigitalis)

Bei der Klauenhornfäule handelt es sich um eine Entzündung und eventuelle Nekrose der Haut im Zwischenklauenspalt wobei die Entstehung vergleichbar ist mit der der Dermatitis digitalis. Bei Ausbreitung in die Tiefe kann die DID in Panaritium übergehen. Nur bei vorgeschädigter Haut durch mangelnde Luftzufuhr oder Mikroläsionen können Bakterien im Zwischenklauenspalt Schaden anrichten. Prophylaktisch ist der Zwischenklauenspalt im Zuge der Klauenpflege gut freizuschneiden, dass ein Auswurf des Schmutzes gegeben ist.

 

Panaritium (Zwischenzehenphlegmone)

Die Zwischenzehenphlegmone ist eine Entzündung des Gewebes im Zwischenzehenspalt mit systemischer Ausbreitungstendenz. In schwereren Fällen breitet sich die Entzündung auf tiefer gelegene Strukturen (z.B. Klauengelenk) aus. Der Erkrankung geht immer eine Vorschädigung der Zwischenklauenhaut voraus, seies durch Dermatitis digitalis oder durch traumatische Mikroläsionen. Saponin- oder oxalsäurehaltigen Futtermittel, wie Rübenblatt, Rübenschnitzel, Kartoffelschlempe oder Treber wirken prädisponierend. Oft kommt die Erkrankung im Zusammenhang mit Zwischenklauengeschwülsten oder der Mortellaro´schen Erkrankung vor. Bei Entzündungssymptomen (Wärme, Schwellung, Rötung) muss das Tier umgehend von einem Tierarzt behandelt werden.

Zwischenklauenwulst (Limax, Tylom)

Der Limax ist eine Bindegewebszubildung im Zwischenklauenspalt.In der Mehrzahl der Fälle beruht die Entstehung der Limaces auf Grund einer chronischen Reizung der Zwischenklauenhaut, entweder durch genetische Disposition, es wird ein rezessiver Erbgang vermutet oder durch Dauerreizung der Haut auf Grund von Fehlbelastungen. Mangelnde oder falscher Klauenpflege (keine Hohlkehlung, dachartiger Beschnitt der Fussungsfläche), rutschige, scharfe oder unebene Laufflächen werden als Ursachen genannt. Limaces kommen auch nach Klauenfäule oder Zwischenzehenphlegmone vor. Becker unterscheidet eine erworbene und genetisch bedingte Form. Bei der genetisch bedingten Form sind beide Hinterbeine oder alle Beine betroffen, während bei der erworbenen Form meist nur ein Hinterbein betroffen ist.Im Zuge der Klauenpflege soll der Limax so freigeschnitten werden, dass bei der Fussung kein Druck auf die Zubildung kommt. Ist der Limax eine Lahmheitsursache, sollte er vom Tierarzt entfernt werden. 

Rusterholz´sches Sohlengeschwür (RSG) 

Das Rusterholz´sche Sohlengeschwür wurde erstmals 1920 von Herrn Rusterholz beschrieben. Er bezeichnet es als spezifisch, traumatisches Geschwür, weil es immer an der typischen Lokalisation (siehe Abbildung 1) vorkommt und weil ursächlich die Quetschung der Lederhaut vom sogenannten Beugeknorren (siehe Abbildung 2) für die Entstehung verantwortlich gemacht wird.

Durch die Quetschung der Lederhaut kommt es in dieser zu einer Minderdurchblutung und somit zur Bildung von minderwertigem Horn. Exsudat wird meist nur im Zuge der Klauenpflege, als rötliche Bluteinlagerung, an der typischen Stelle als sogenannte Steingalle (Abbildung 3) sichtbar. Bleibt der Druck bzw. wird die Mangeldurchblutung zu lange aufrechterhalten, stagniert die Hornproduktion an dieser Stelle und es kommt zur Geschwürbildung. Die Lederhaut kann sich sekundär infizieren, was zu einer Verkomplizierung mit Beteiligung tieferliegender Strukturen führen kann. Dies geht zumeist mit einer Unterfußschwellung einher. In diesem Fall muss ein Tierarzt zu Rate gezogen werden!!!

Abbildung 1
typische Lokalisation des RSG
Abbildung 2
Quetschung der Lederhaut bei falschen Belastungsberhältnissen zwischen dem sogenannten Beugeknorren und dem Horn
Abbildung 3
Steingalle
Abbildung 4
Korrekter Beschnitt eines unkomplizierten RSG

Das RSG kommt zumeist an der Hinterextremität an der Aussenklaue vor und verursacht gering- bis hochgradige Lahmheiten.

Ursächlich können für die Entstehung von Rusterholz´schen Sohlengeschwüren alle jene Gründe verantwortlich gemacht werden, welche den Druck des Beugeknorren auf die Lederhaut erhöhen, wie zum Beispiel mangelnde Klauenpflege oder falsche Klauenpflege. Wird die Trachtenhöhe zu sehr verringert mit folgender Spitzwinkelung, führt dies zu einer Fehlbelastung und simuliert eine überlange Klaue durch Hauptbelastung in der hinteren Sohlenfläche. Fehlende oder falsch platzierte Hohlkehlungen erhöhen den Druck auf die spezifische Stelle sowie auch altersbedingte Umwandlungen (Exostosen am Klauenbein). Sowohl die subklinische Kauenrehe als auch die chronische Klauenrehe gelten als prädisponierend für das Rusterholz´sche Sohlengeschwür. 

Zeitgerechte und fachgerechte funktionelle Klauenpflege mit Anpassung der Aussen- an die Innenklaue und korrekt platzierter Hohlkehlung gelten als wichtigste Prophylaxe.

Bei der Therapie ist darauf zu achten, dass man das Horn um das Geschwür großflächig ausdünnt und die Lederhaut nicht verletzt. Wichtig ist, dass die Partnerklaue (Innenklaue) im Trachtenbereich geschont wird, um die erkrankte Klaue zu entlasten (siehe Abbildung 4). Ist dies nicht möglich muss ein Klotz geklebt werden und gegeben falls ein Schutzverband angelegt werden. Auf keinen Fall dürfen Druckverbände oder Ätzsalben zur Anwendung kommen. Der Verband muss spätestens nach 5 Tagen entfernt werden und der Klotz darf nicht länger als 4 Wochen an Ort und Stelle bleiben!

Sohlenspitzengeschwür (SSG)

Sohlenspitzengeschwüre sind durch eine Zusammenhangstrennung der weißen Linie im Sohlenspitzenbereich gekennzeichnet und entstehen meist durch Traumatisierung der Sohlenspitze, was zu einer Sekundärinfektion des Klauenbeins führen kann. Die Klauenbeinrotation, welche mit einer Minderdurchblutung der Lederhaut und mangelnder Hornqualität einhergeht, wir ebenfalls als Ursache genannt.

Klauensohlengeschwür in atypischer Lokalisation (KSG)

Klauensohlengeschwüre, die nicht an der "Rusterholzstelle" oder der Klauenspitze anzutreffen sind, werden als Klauensohlengeschwüre in atypischer Lokalisation bezeichnet. Auch für diesen Fall muss neben lokalen Traumen die Klauenrehe als ursächliche Krankheit in Betracht gezogen werden. Wie das Rusterholz´sche Sohlengeschwür führen auch Klauensohlengeschwüre in atypischer Lokalisation zu gering bis hochgradigen Lahmheiten.

Bei der chronischen Klauenrehe kommt es zu einem Absinken bzw. einer Rotation des Klauenbeins im Hornschuh, was zu punktuellen Durchblutungsstörungen durch Quetschung der Lederhaut führen kann und somit Geschwüre verursachen kann.

Abbildungen
Rotation des Klauenbeins durch chronische Klauenrehe

Weisse Linie Defekt (WLD)

Das "weiße Linie" Horn ist die Verbindung vom Sohlenhorn zum Wandhorn. Es ist im Vergleich zum harten Röhrchenhorn des Kronhorns sehr weich und stellt eine Prädilektionsstelle für das Eindringen von Fremdkörpern dar. Am Übergang vom mittleren zum kaudalen Fußungsdrittel kommt es im Bereich des Tragrand durch punktuelle Überbelastung oder durch die Bildung von minderwertigem Horn zu Zusammenhangstrennungen. Als weitere Folge kann durch Sekundärinfektion eine Wandläsion entstehen. Unter heutigen Produktionbedingungen ist die subklinische Klauenrehe der Wegbereiter für den weiße Linie Defekt. Sowohl Murray et al. (1996), als auch Wiedenhöft (2005) stellten Inzidenzen von rund 20 % fest. Der weiße Linie Defekt führt meist zu mittelgradigen, in manchen Fällen auch zu hochgradigen Lahmheiten. 

 

Wandläsion (WD)

Bei der Wandläsion kommt es im Bereich der weitesten Stelle des Tragrandes zur Zusammenhangstrennung zwischen Wand und Sohle und Entstehung einer losen oder hohlen Wand mit Infektion und Nekrose der Lederhaut ist die Folge.

Sie entsteht sekundär durch Infektion aus einem weißen Linie Defekt zum Beispiel im Zuge einer Klauenrehe. Es handelt sich um eine eitrige Entzündung der Wandlederhaut. Sie ist eine der häufigsten Lahmheitsursache mit einer Inzidenz zwischen 12 und 40 %. 

 


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